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Gedanken zum Schamanismus

Gedanken zum Schamanismus

Das Wort Schamanismus kommt ursprünglich aus dem tongusischen Wort "Saman", das als Untergruppe der altaischen Sprachen im Nordosten Russlands, Sibiriens, Chinas und der Mongolei gesprochen wird. Allerdings gab nd gibt es auch in diesem Sprachraum keine einheitliche Bezeichnung für die Funktion und Rolle eines Heilers und Mittlers zwischen der Alltags- und der Anderswelt der Geister. Ende des siebzehnten Jahrhunderts taucht der Begriff "Schaman" auch im deutschsprachigen Raum auf und bis Mitte der 1950er Jahre sprach man von Schamanentum, wodurch der Regionalbezug deutlicher wird. Erst mit der Erforschung der Naturreligionen und dem Brauchtum nativer Völker der Gegenwart und Vergangenheit, das ab Mitte der 1950er deutlich an Bedeutung und Anhängern gewann, kam der Begriff Schamanismus auf und festigte sich für alle Formen von naturspirituellen Weltsichten und Praktiken.

In anderen Regionen, wie beispielsweise dem amerikanischen Kontinent, nennt man diese Heiler und Mittler zwischen den Welten überwiegend Medizinmänner. Vor allem in der westlichen Welt ist das Wort Schamanismus heute ein wenig reflektierter Überbegriff für alles was sich irgendwie mit alten und/oder noch heute lebenden nativen Lebensweisen sowie deren Kultur und Glaubenswelt beschäftigt. Es waren in erster Linie Forscher aus dem westlichen Kulturkreis wie Mircea Eliad, Michael Harner und andere, also Menschen die nicht aus "schamanischen" Kulturen stammten, die begannen die Naturvölker und ihre Glaubenswelten zu erforschen. Sie schufen nicht nur den Allgemeinbegriff Schamanismus sondern formten und etablierten eine aus ihren Forschungen hervorgegangene Form von Naturspiritualität, den sogenannten Neo-Schamanismus. In Europa vermischte sich der Neo-Schamanismus teilweise mit einem zunehmend populärer werdenden Heidentum das sich auf die alten Naturreligionen des "alten Kontinents" bezieht und das hier verbreitete Druidentum. Auch hier spricht man von einem Neo-Heidentum zu dem auch die Strömungen Pagan, Tribal, Cult, Eco, Celtic, Druid, usw. gehören. Doch beschränkt sich diese Vermischung nur auf ganz wenig Bereiche und ist recht willkürlich. Im westlichen Kulturkreis war seit je her die Rolle des "Schamanen" unter den sogenannten Druiden, Heilern, Kräuterfrauen, Wurzelseppen, Eremiten, Hexen und anderen Naturkundigen zu finden. Wenn wir nach Gemeinsamkeiten suchen welche alle Strömungen unter diesen Allgemeinbegriff Schamanismus verbindet, so ist es die Überzeugung, dass alles um uns herum beseelt und die Natur als reine Manifestation der Schöpfung zu sehen ist. Alle schamanischen Handlungen haben das Ziel wieder in Einklang mit der Natur und der Schöpfung zu kommen. Alle Probleme des Menschen, auch und gerade Krankheiten, resultieren aus einer Störung und der Loslösung dieser Verbundenheit mit unserem natürlichen Umfeld und den in ihm lebenden Bewusstseinsformen. Was bei der Betrachtung noch lebender nativer Stämme im Vergleich mit geschichtlichen Überlieferungen sehr deutlich wird ist die Tatsache, dass die Funktion eines Schamanen durch eine schamanische Gesellschafts- oder Stammesstruktur bedingt ist und umgekehrt. Dieser Tatsache Rechnung tragend müssen wir feststellen, dass es in den westlich geprägten Gesellschaften auf Grund der fehlenden schamanisch/druidischen Strukturen keine Schamanen/Druiden geben kann. Nicht desto trotz kann sehr wohl schamanisch/druidisch gearbeitet werden, jedoch nicht in der Funktion und der Rolle eines echten, nativen (Stammes-)Schamanen. Ein weiterer wichtiger Punkt, den es lohnt sich näher zu betrachten, ist die heute vorherrschende Sichtweise, dass Schamanen immer Heiler sind oder sein müssen. In der Regel war und ist das nur ein Teil ihres Tätigkeitsbereiches, der sich auf beinahe alle Bereiche der früheren schamanischen Gesellschaft erstreckte und dies auf Grund seiner umfassenden Betrachtungsweise des ganzen Menschen und seines Umfeldes, auch heute tut. Um das richtig zu verstehen sollten wir uns kurz die sehr wahrscheinliche Entwicklungsgeschichte des Schamanismus anschauen. In der Frühgeschichte der Menschheit führte sicher jeder Mensch ein schamanisches Leben in weitgehendem Einklang mit der Natur, und das war über viele Jahrtausende hinweg der Fall. Es bedurfte in dieser Zeit keines speziellen Schamanen, da es noch keine Trennung zwischen Alltagswelt und Anderswelt (der Welt der Pflanzengeister, Tiergeister und allen anderen Bewusstseinsformen) hier auf Erden gab. Erst mit der zunehmenden Spezialisierung, der Arbeitsteilung und der Entwicklung von größeren, unübersichtlichen und unpersönlichen Gemeinschaften/Gesellschaften, sowie einer damit einhergehenden zunehmenden Entfremdung von der natürlichen Lebensweise, entwickelte sich ein ebenso spezialisiertes Schamanentum. Die Wahl viel dabei auf jene Menschen, welche sich durch ihre deutlich hervortretenden persönlichen Fähigkeiten und Neigungen im Umgang mit der Natur und der Anderswelt als für diese Funktion geeignet herausstellten. Mit der zunehmenden Entfremdung von der Schöpfung fand auch eine Trennung von der beseelten Umwelt statt, die man fortan als eine andere Welt ansah. Im Sinne einer arbeitsteiligen Gesellschaft, in der in erster Linie jeder seine Funktion zu erfüllen hat, gab man die Interaktion mit der Natur, ihren Kräften und Wesenheiten, an andere, auf diese Gebiet spezialisierte Menschen, ab. Je mehr sich die Menschen von der natürlichen/ schamanischen Lebensweise abwanden, um so mehr spirituelle und rituelle Aufgaben und damit auch Selbstverantwortung, gaben sie an den Schamanen ab. Bald erstreckten sich die Anfragen an den Schamanen auf alle Bereiche des Lebens. Daher fand man sie nicht selten in der Rolle von Richtern und Schlichtern, Berater der Clanchefs wie auch der Jäger, Sammler und jenen die sich dem Anbau von Pflanzen widmeten. Es gab wohl kaum einen Bereich, zudem sie nicht konsultiert wurden. Auf Grund der Bedeutung Menschen gesund erhalten und auch heilen zu können, ist diese Tätigkeit über die Jahrhunderte hinweg natürlich präsenter und deutlicher im Bewusstsein der Menschen als die anderen Tätigkeiten des Schamanen. Doch zu ihrer Lebensweise und ihren Kerntätigkeiten gehörte schon immer das Sammeln von Heilkräutern, die Zubereitung von Tinkturen, Salben und Essenzen, Wetterbeobachtungen, das organisieren und Abhalten von Ritualen - für Einzelne als auch für die Gemeinschaft - die daraus ihren Zusammenhalt bezog. Soviel zur Geschichte und Entwicklung. Heute, wo wir über die Ursprünge, die Entwicklungsgeschichte und den direkten Vergleich mit noch lebenden nativen Stämmen verfügen, wird zunehmend deutlich, wie dramatisch die Trennung des Menschen von der Natur ist, und wie wichtig es im Umkehrschluss scheint, durch schamanische oder besser gesagt naturspirituelles Praktiken, wieder mehr in Einklang mit ihr zu kommen. Eines wird im Rückblick über die Jahrtausenden mehr als deutlich: der Schamanismus hat uns Menschen Jahrtausende lang seelisch, geistig und körperlich gesund erhalten. Doch nicht nur das, er hat das Überleben der Menschheit als Ganzes sicher gestellt. Demgegenüber ist das industrielle Zeitalter, und damit das bisherige Maximum an Trennung von der Natur, gerade mal 200 Jahre alt. Und gerade jetzt, wo die Defizite der "Moderne" in allen Bereichen immer deutlicher hervortreten, bestätigen moderne Wissenschaften immer häufiger die Wirkungsweise naturspiritueller Techniken und Anwendungen. Der Erfolg und die Anwendung der Kräuterheilkunde ist heute nur noch bei Betonköpfen und ewig gestrigen Systemmenschen umstritten. Die positiven Wirkungen naturspiritueller/ schamanischer Methoden und Anwendungen, wie die unterschiedlichen Formen der Meditation, der Trance-Arbeit, von Schwitzhütten und Heilkreisen, sind nicht mehr zu leugnen. Die Bedeutung von Ritualen zur Orientierung, Verbundenheit und dem Gefühl von Beständigkeit im Lauf des Lebens, die Wirkungsweise von Andersweltreisen und Trommelkreisen auf die Psyche, Hirnchemie und den Stoffwechsel, das Konfliktlösungspotenzial und die Effizienz der verschiedenen Redestabmodellen, die Arbeit mit dem vielfältigen Energiesystem des Menschen, die Bewusstseinsveränderungen welche sich durch die kontinuierliche Beschäftigung mit naturnahen Themen und ganz besonders mit einem beseelten Schöpfungsbild und Lebensmodell, werden in ihrer positiven Auswirkungen auf das Leben der Menschen immer wieder von den modernen Wissenschaften bestätigt und als fehlendes Glied in der Behandlung von Krankheiten angemahnt. Alle diese Anwendungen haben ihren Ursprung in der schamanischen Sicht von einer durchweg beseelten Welt in der alles miteinander verbunden ist. Gleichzeitig liegen in dieser schamanischen Sichtweise auch die Lösungen für unsere heutigen weltlichen Probleme, denn mit einer beseelten Welt geht man ganz anders um, als es derzeit üblich ist. Somit ergeben sich für einen heutigen, zeitgemäßen Schamanismus ganz besondere Herausforderungen. Verwurzelt im Ursprung des Schamanismus, den Erfahrungen aus der echten Entwicklungsgeschichte der Menschheit und der Verbindung mit den neuesten Erkenntnissen modernen Wissenschaften, sind wir heute in der Lage, den Schamanismus in Form einer zeitgemäßen Naturspiritualität tatsächlich zu erneuern und ein neues Verständnis des Menschen als konstruktiven Teil der Schöpfung entstehen zu lassen. Hierfür ist es allerdings notwendig, mit dem alten Kontext zu brechen und diese neue Naturspiritualität in einen ganz neuen und zeitgemäßen Zusammenhang zu setzten. Wir leben heute im westlichen Kulturkreis in einem anderen Kontext als der, in dem die schamanischen Praktiken vergangener Tage oder noch lebender Naturstämme verwurzelt sind, was dazu führt, dass so manches davon heute gar nicht mehr passt und anderes mit sehr viel Achtsamkeit angepasst werden muß. Verbleibt man mit den Anwendungen jedoch im alten Kontext fließt alle Energie dort hin zurück, und ist für uns heute nicht wirklich von Nutzen. Gerade das Übernehmen oder Nachahmen noch lebendiger Traditionen fremder Länder, wie der nordamerikanischen Medizinmännern, der Schamanen der Samen und sibirischen Stämme, der Kahuna auf Hawaii oder den Medizinmännern Südamerikas oder Afrikas, ist sehr fragwürdig. Diese können uns ein Beispiel sein, um unsere eigenen naturspirituellen Praktiken wieder zu entdecken und zu entwickeln, aber nicht nachgeahmt werden. Es verwundert mich immer wieder wie gedankenlos, unbedarft, achtlos und respektlos mit den heiligen Rieten und Praktiken anderer Kulturen umgegangen und diese unter dem Deckmantel des "authentischen" Schamanismus mißbraucht werden. Schamanismus, gerade wenn er zeitgemäß und den heutigen Menschen zugänglich sein soll, hat heute eine andere Aufgabe als vor hundert und mehr Jahren. Aus meiner Sicht ist er ein Lebensweg: zu mehr Einklang mit der Schöpfung und dem wahren Leben als Mensch und Teil unserer lebendigen und beseelten Welt. Damit verbinden wir uns wieder mit unserem wahren Ursprung und übernehmen wieder Verantwortung für uns selbst. Erst auf diesem Lebensweg kann sich die Aufgabe und die jeweilige Berufung zeigen. Bei manchen kann es auch das Wirken als Heiler sein. Die wahre Bestimmung kann weder vorhergesagt oder vorweg genommen werden, schon gar nicht von anderen Menschen. Das unerschütterliche Vertrauen in die Natur und ihre Führung ist die Grundlage aller Formen von Schamanismus. Er ist die ganz persönliche "Direktverbindung" mit der Schöpfung, ganz ohne Mittler oder Stellvertreter irgendeines Gottes. Dies gilt besonders für den "Neue Abendländische Schamanismus" der die Natur als oberste Ordnungsgröße für uns Menschen ansieht. Er zeigt und nutzt die Struktur und Ordnung der Schöpfung zur inhaltlichen und philosophischen Gestaltung eines zeitgemäßen naturspirituellen Lebenswegs. Der Neue Abendländische Schamanimus schafft die Erneuerung des Schamanismus, indem er im Ursprung verwurzelt bleibt, aus der Entwicklungsgeschichte lernt und das Gelernte in Verbindung mit den Erkenntnissen modernen Wissens in einen zeitgemäßen Kontext stellt. So schafft er ein umsetzbares, klar strukturiertes und dennoch offenes naturspirituelles Lebensmodell das tief im westlichen Kulturkreis verankert ist. Gleichzeitig werden ganz neue Wege in eine schöpfungsrichtige Zukunft aufgezeigt. Dazu gehört zu wissen, wie die Schöpfung funktioniert, was einen Menschen ausmacht, wie er in die Schöpfung/Natur eingebunden ist, wie sie uns helfen und wir sie unterstützen/schützen können. Grundlage dafür ist das Wissen um die Schöpfungsspirale, das Medizinrad, das Lebensrad, den Jahreskreis, Andersweltreisen, Feuerhüttenrituale, Meditation und Trance-Arbeit und vieles mehr. Doch in erster Linie geht es um die Befreiung und Erweiterung des eigenen individuellen Bewusstseins und dann erst um Rituale, Methoden und Arbeitsweisen, denn ohne ein verändertes Bewusstsein, werden sich diese dem Handelnden nie in ihrer ganzen Tiefe erschließen. Erst damit beginnt man einen wirklich soliden Lebensweg, zu immer mehr Einklang mit der Schöpfung, zu beschreiten. Und auf diesem Weg beantworten sich die "großen Sinn-Fragen" plötzlich von ganz alleine, auch ob man heilen oder lehren soll und wenn ja, als Erfahrungszeit oder als Berufung. Schamanismus ist nicht alt oder verstaubt und schon gar kein "Weg zurück", sondern ein zeitgemäßer Lebensweg. Mit herzlichen Grüßen, Norbert Paul

Wer die Vergangenheit nicht kennt, muss die gleichen Fehler stetig wiederholen.

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